Dona
Ivete do Salgueiro
genannt,
mit bürgerlichem Namen Ivete da Silva Santos, war Mae de Santo
im Umbanda, eine Priesterin der afro-brasilianischen Religion. Sie war
die Enkelin einer der ersten Besiedlerinnen des Hügels, Dona Eusebia,
die 1985 ihren hundertjährigen Geburtstag gemeinsam mit dem hundertjährigen
Bestehen des Salgueiros (und hundertdreijährigen der Abschaffung
der Sklaverei) gefeiert hatte.
Dona Ivetes spirituelle Aufgabe war es, die Lebensbedingungen der Jugendlichen
in der Favela zu verbessern. Und dazu hatte sie einen sehr praktischen
Ansatz - die Organisation von verschiedensten Sozialprojekten - aktuell
war die Afro-Friseurinnen-Ausbildung Nika Jaina.
In ihrer Arbeit verband sie ihr religiöses, rituelles und kulturelles
Wissen, die Überlieferung afrikanischer und afro-brasilianischer
Traditionen mit konkreten politischen und kulturpolitischen Ansätzen.
So war sie z.B. als Kulturdirektorin in der Bewohnervertretung,
dem politischen Organ des Viertels, oder als Kulturpräsidentin
des Karnevalvereins aktiv und setzte sich auch im Rahmen der Stadtpolitik
in der Bewegung "Rio Mulheres" ein.
Sie war eine schillernde Persönlichkeit, die mit Hilfe ihres Glaubens
soziale Barrieren überwindet und fehlende Ausbildung (sie hatte nur
die Grundschule besucht) durch spirituelle Eingebung ersetzt. Im Dezember 2004 ist sie eines natürlichen Todes gestorben. Sie fehlt uns allen.
Januario Garcia
ist Direktor des einzigen Afro-brasilianischen
Museums in Rio de Janeiro, des Centro José Bonifacio, und war,
lange Jahre, Kulturstadtrat für afro-brasilianische Angelegenheiten
im Bundesstaat Rio de Janeiro.
Er gilt als ein wichtiger Vertreter der intellektuellen afro-brasilianischen
Bewegung
und dokumentierte im Laufe der letzten 40 Jahre die "schwarze"
Geschichte Brasiliens. Sein Fotoarchiv umfaßt an die 10.000 Bilddokumente.
In der Dokumentation "Die Königinnen vom Salgueiro" führt
er in die mystische Gedankenwelt des afro-brasilianischen Welbildes
ein, arbeitet die kulturellen Bezüge heraus und zeigt gleichzeitig
die gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge auf. Er erklärt
die historischen Hintergründe der herrschenden Armut und Ausgrenzung
der schwarzen Bevölkerung. Sein Ansatz ist ein erklärender
- er fasst afro-brasilianische Denkmuster in westliche Konzepte, um
sie einem breitem Publikum verständlich zu machen
und es
macht wirklich Freude, ihm zuzuhören!
Nika Jaina Kurs -
Ausbildung zur Afro-Friseuse, Maniküre
und Pediküre
Die sich in Ausbildung befindlichen Jugendlichen,
die TeilnehmerInnen des Projektes Nika Jaina, 12 bis 20 jährige
Mädchen und ein Bursche, erzählen über ihre Hoffnungen
und ihre Berufsaussichten - sie zeigen, was sie in ihrer Ausbildung
gelernt haben
und wieso es so schwierig ist, damit normale Arbeit
zu finden. Die Schwierigkeiten der Jugendlichen, in der "normalen" Gesellschaft
Ausbildung und Arbeit zu finden, werden verständlich gemacht. Die
Lehrerinnen des Projektes erzählen über ihre Motivation.
Die BewohnerInnen des Salgueiros
Am Morro do Salgueiro leben ca. 6.500 bis 7.000
Menschen, davon mehr als die Hälfte Jugendliche unter 18 Jahren.
Hohe Arbeitslosigkeit, fehlende Infrastruktur - hier sei vor allem auf
die fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten hingewiesen - kennzeichnen
ihren Alltag. Um die Arbeit und die Initiative von Dona Ivete besser
zu verstehen - und v.a. um das starke "Wir-Gefühl" zu
dokumentieren, kommen viele dieser BewohnerInnen des Salgueiros zu Wort.
Politische Vertreter der Gemeinde, der Karnevalspräsident sowie
mehrere Frauen aus der Gemeinde führen uns in das Leben am Salgueiro
ein.