Die FilmemacherInnen

Für Silvia Santangelo Jura, Diplomandin der Ethnologie, Mitinitiatorin von help4favelas, Kommunikationsfachfrau und Musicmanagerin ist es das Début im Bereich des Dokumentarfilms. Idee und Konzept zum Film entstanden in einem Prozess der immer tiefer gehenden Analyse der brasilianischen Gesellschaft und einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit den Aussagen von Januário Garcia und Dona Ivete.

>Dieser Film lebt von seinen ProtagonistInnen, von Dona Ivete, Januário, den Menschen vom Salgueiro - mein Ziel war es, ihnen einen Platz in der Öffentlichkeit zu schaffen. Wir zeigen ihre Welt - ihre Ansichten, ihre Perspektiven, ihr Universum. Ich fühle mich als emotional beteiligte "Übersetzerin", als die Fremde, die verstehen und kommunizieren möchte. Das, was ich während der Dreharbeiten am Morro do Salgueiro erleben durfte, hat mich stark geprägt. Das Leben selbst zu verändern ist die Botschaft, die ich mitgenommen habe. Und ich glaube, dass sie für uns, hier in Europa und auch für Brasilien wichtig ist. Der Film ist unser Gegengeschenk an die BewohnerInnen des Salgueiros und die anderen Millionen dunkelhäutiger BrasilianerInnen, die in den Favelas von Rio, São Paulo, Salvador, Recife usw.. leben und Anspruch auf Anerkennung und Würde haben.< (Silvia Santangelo Jura)

Célia Mara, brasilianische Sängerin und Komponistin, hat den Film von Anfang an begleitet. Selbst Mitinitiatorin von help4favelas kannte sie das Projekt am Salgueiro - und war treibende Kraft in der Realisierung des Filmes. Sie stellte die "Kulturverbindung" her, half immer wieder in der Übersetzung brasilianischer Eigenheiten, geheimer Botschaften in Sprache und Verhalten. Ihr persönlicher Beitrag: ein emotionaler Soundtrack

Das Schnittbuch zum Film wurde ein halbes Jahr nach den Dreharbeiten, gemeinsam mit Christa Bechtloff-Franz, Diplomandin der Ethnologie, zusammengestellt (der Film ist auch ihr Début im Filmbuchbereich). In langen Diskussionen wurden Verständlichkeit, Fremde und Nähe analysiert, die Einzelteile aneinandergefügt, der "rote Faden" genäht. Auch die Post-Produktion erfolgte gemeinsam mit Christa Bechtloff-Franz, das Team wurde zusammengebracht.

>Für mich ist dieser Film ein Ausdruck von Möglichkeit, von Kraft und Phantasie, von Hoffnung. Ein Energiezeichen. Ein Gruß. Die Dinge stehen nicht allein im Raum, sondern haben Geschichte und einen Hintergrund, Ursache. Das Spannende war, Elemente wie Kultur, Selbstwert, Rassismus, Unterdrückung und wirtschaftliche Faktoren unter einen Hut zu bringen. Den Film aus den Interviews heraus zu gestalten. Sprachrohr oder Verstärker für eine sonst eher ungehörte Gruppe von Menschen zu sein. Der Film ist all denen gewidmet, die für die Vision eines friedlichen, aneinander interessierten, Miteinander arbeiten.< (Christa Bechtloff-Franz).
Für Kamerafrau Judith Benedikt war Brasilien selbst das Début - Studentin an der Filmakademie Wien, mit vielen filmischen Erfahrungen im Gepäck, entdeckte auch sie eine neue Welt. Ausschließlich mit Handkamera ausgerüstet, die absolute Nähe zu den Gefilmten ermöglichte, hat sie Impressionen eingefangen - liebevolle Details der Menschlichkeit, eine poetische Umsetzung des harten Alltags. Gönül Kaya, Cutterin und Multi-Media-Designerin, war nach Sichtung des Materials sofort persönlich in den Film involviert. Und entschloss sich für ein emotionsvolles Début im Dokumentarfilm. Die Menschen am Salgueiro wurden für sie zur Familie, Dona Ivete immer präsent. Ihr Schnittkonzept beschreibt sie so:
>Ausschlaggebend für mich waren nicht die schönsten Bilder - nein, ich fragte mich immer: ob sich die Menschen selbst so gefallen, ob wir nicht zuviel ihrer Intimität zeigen<. (Gönül Kaya)
Tanja Ristovski Theuretzbacher mußte nicht lange überredet werden, die Titelgrafiken für den Film zu machen. Dass auch ein Spot folgte, war eigentlich nicht geplant gewesen, spricht aber für die Eigendynamik des Projektes. Die in Belgrad geborene Medienkünstlerin, die an der Kunstakademie in Belgrad studiert hatte, die Meisterklasse an der Akademie der bildenden Künste mit Meisterschulpreis von Prof. Michelangelo Pistoletto abgeschlossen hat, sich in Europa mit verschiedensten Ausstellungen und Präsentationen (u.a. Biennale/Venedig) schon einen Namen gemacht hat, hat in dem Film universelle Themen wiedergefunden - Zeugnis eines Alltags, der in Afrika wie in Serbien zu finden ist. Und das war nicht zuletzt Grund ihres Engagements.
© silvia santangelo jura 2003 | illustrations by sally santangelo | website by stefan nussbaumer