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Benvindas,
benvindos!
Rio de
Janeiro - modern, westlich, hightech-orientiert. Samba, Karneval und die
Lebensfreude der schwarzen Bevölkerung ziehen jährlich hunderttausende
Touristen an. Rio de Janeiro kennt aber spätestens seit der offiziellen
Abschaffung der Sklaverei in Brasilien 1888 das Problem wilder Urbanisierung
und damit verbundener sozialer Spannungen, die nicht zuletzt auf rassistischer
Ausgrenzung beruhen.
Die Armenvierteln, die sogenannten Favelas gelten als Hort von Gewalt,
Kriminalität und Drogenhandel. Wer aus der Favela kommt, wird als
Aussätziger dieser Gesellschaft verstanden - gefürchtet und
ausgeschlossen. Ca. 4 Millionen Menschen, vorwiegend dunkler Hautfarbe,
leben in ca. 750 Favelas von Rio. Als "Favelados" stigmatisiert,
wird ihnen der Zugang zu Ausbildung, Arbeit, Gesundheits- und Transportwesen
erschwert.
Aber kommen nicht die Touristenattraktionen Samba und Karneval aus den
Favelas ? Und wie sehen sich die als "Favelados" diskriminierten
selbst?
>Ich denke, dass wir respektiert werden
müssen. Jeder muss in seiner Haltung respektiert werden.<
lässt uns Dona Ivete wissen. >Dieser
Film wird um die Welt gehen, er wird nicht in Rio de Janeiro bleiben,
sondern weit weg gehen, damit die Menschen etwas über unser Umbanda,
unsere Religion erfahren, hier in Rio und in Brasilien. Und dass sie wissen,
dass Umbanda keine Grenzen kennt, dass wir alle Geschwister sind.<
(Dona Ivete)
Die Dokumentation Die
Königinnen vom Salgueiro haben relative Bürgerrechte
führt auf den Morro do Salgueiro, eine der ältesten Favelas
von Rio de Janeiro.
Dona Ivete, sechzigjährige Favela-Bewohnerin und Leiterin des Selbsthilfeprojektes
Nika Jaina, öffnete dem Filmteam den Zugang zu ihrem Viertel. Mitten
in den Karnevalsvorbereitungen wird ein Einblick in den Alltag gewährt
- zu Wort kommen die "ganz normalen" Menschen, v.a. die Frauen, die dort
leben. Thema sind ihre Lebensbedingungen, ihre Wünsche und Hoffnungen.
Ohne zu romantisieren oder mit Bildern von Armut zu schockieren geht es
um eine Analyse der bestehenden Verhältnisse - und um Möglichkeiten
der Veränderung.
Die Afro-Friseurinnen Ausbildung ist ein positives Beispiel dafür.
Anhand des Projektes für Jugendliche, Nika Jaina - Ausbildung zur
Afro-Friseurin, werden Kultur, Religion und der soziale Zusammenhalt,
der das Überleben im Kontext des allgegenwärtigen Rassismus
ermöglicht, veranschaulicht.
Im Brasilien des "weißen Denkens", wo afro-brasilianische Kultur
und dunkle Hautfarbe Grund genug zur Diskriminierung sind, steht das Ausbildungsprojekt
für aktive Veränderung der Gesellschaft: Selbstwertgefühl
und Mut kennzeichnen die TeilnehmerInnen.
>Die
Kultur ist in erster Linie eine Waffe zur Befreiung. Die Kultur formt
die Lebenseinstellung, sie gibt dem Menschen die Möglichkeit, sich
zu reflektieren; sie ermöglicht das Wiedererlangen der Würde.
Durch die Kultur wird die Entwicklung der Selbstachtung gefördert.
Durch die Kultur können die eigenen Bürgerrechte gebildet werden.<
(Januário Garcia)
Der
Film zeigt, dass kulturelle Arbeit Perspektiven ermöglicht, um aus
der Spirale von Analphabetismus, Armut, Gewalt und Drogenhandel zu entkommen.
Afro-brasilianische kulturelle Werte im Kontext einer dominanten, europäisierten
Kultur bewußt leben und erleben und sie als Weg zur Befreiung, als
Lösungsansatz für die Bewältigung von sozialen Mißständen
zu nützen, das ist die Botschaft von Dona Ivete - und gleichzeitig
inhaltliche Vorgabe.
In
einem filmischen Dialog zeigen Dona Ivete do Salgueiro und Janúario
Garcia, Intellektueller der schwarzen Bewegung, die Zusammenhänge
zwischen lokalem und globalem Handeln auf. Janúarios historisch
argumentierender und sozialkritischer Kommentar stellt einen gesamtgesellschaftlichen
Bezug innerhalb des sozialen Gefüges Brasiliens her, zeigt die Hintergründe
von Armut und Arbeitslosigkeit auf und arbeitet die kulturellen Zusammenhänge
aus.
Es entsteht somit ein vielschichtiger, emotional und intellektuell erlebbarer
Einblick in die Hoffnungen, Wünsche und den gelebten Alltag der schwarzen
Bevölkerung Brasiliens. Der Rhythmus des Films führt uns behutsam
in diese fremde Welt ein
und entlässt uns mit einem guten Gefühl:
Hoffnung.
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